Tropical Islands – ein Erfahrungsbericht

„Du hast gewonnen“, lautete der erste Satz meiner Mail im Posteingang. Ich konnte es gar nicht fassen – der Gewinn: vier Tageskarten inklusive Sauna im Tropical Islands. Und das im Winter. Mein Körper sehnt sich im Winter immer nach Strand und Sonne. Das ist die perfekte Möglichkeit. Wir quetschen uns zu viert vor den Computer und bestaunten, was man alles dort erleben kann: riskante Wasserrutschen, einen Badestrand, Ballonflüge über die Badeanlage, eine riesige Saunalandschaft mit sieben Bereichen. Unsere Augen glänzten und so machten wir uns am Samstag morgen um 7 Uhr mit glänzenden Augen und Bikini im Gepäck auf den Weg. „Sonne, wir kommen“, der perfekte Tag lag vor uns – zumindest in unseren Träumen. Hier ein Erfahrungsbericht über Tropical Islands.

#1 Ankunft

Naja, dass man von Hannover etwa drei Stunden bis zum Tropical Islands braucht, das wussten wir. Mit dem Navi haben wir es auch gleich gefunden, geparkt und so spazierten wir fröhlich über den Parkplatz. Selbst mitgebrachte Getränke und Speisen sind übrigens verboten. Deswegen packten wir auch keine Speisen ein. Wasser nahmen wir mit, wir wollten in die Sauna und versteckten es zwischen den Handtüchern. Vor dem Eingang standen zwei Securityleute, die stichprobenartig Taschen kontrollierten. Uns traf es nicht, also freien Lauf für das Wasser. Nach kurzer Wartezeit waren wir dann im Tropical Islands. Gut, die Empfangsdame war leider nicht sonderlich nett und warum man sich anstellen muss, wenn man Online-Tickets kauft, das erschließt sich mir auch nicht. Trotzdem war die Wartezeit angemessen. Schlüssel 1437 war mein. Das Tolle: Im Schlüssel befindet sich ein Chip. Man muss also kein Bargeld mitschleppen, sondern kann die Wertsachen gut verschließen. Alle Dinge, die man erwirbt, werden auf den Chip geladen. Nun ging die Suche los. 8000 Schränke gibt es. Der Anfang war gut ausgeschildert, doch der Schrankaufbauer des Tropical Islands schien es nicht so mit Zahlen zu haben. Oder zumindest mit mentaler Logik. Wenn man in den Umkleidebereich kommt steht man nämlich erstmal vor den Schränken im Bereich 6000. Außerdem fingen die Schränke im tausender Bereich zwar mit 1000 an, dann folgte auf 1100 aber 1500 und darauf 1200 und zwischendrin mal 1300. Man suchte sich also irgendwie einen Wolf, weil kein System hinter der Anordnung steckt. Und die Schränke waren ernüchternd klein. Bei mir war er sogar innen kaputt: die Aufhängeleiste für die Jacken war komplett abgerissen. Wo sind eigentlich die Umkleidekabinen? Tja, die fand man vereinzelt zwischen den Schränken. Allerdings viel zu wenig für die Masse von Schränken. Also einfach in der Sammelkabine umziehen. Flipflops an und rein ins Vergnügen. Jetzt kann es nur besser werden.

#2 Erster Eindruck

So suchten wir uns den Weg durch das Tropical Islands. Wir wollten zum Strand. Nach einigem Suchen waren wir auch da und was sich vor uns eröffnete: voll, voller, Tropical Islands. Wir waren schon um 10 Uhr da und jede, wirklich jede Liege am Strand war belegt. Dabei stehen die Liegen so nah beieinander, dass man sicherlich den Atem des Nachbarn spürt. Wir waren überfordert. Der Pool schien uns auch viel zu klein. Hier sollen 8.000 Leute reinpassen, warum so ein kleiner Pool. Wir streiften über den Strand und probierten uns zu orientieren. Wir wollten eigentlich nur ins Wasser, denn die Luft war wirklich drückend warm. Wir fanden dann Liegen auf dem Dach der Burger Bar. Hier war auch nicht viel los. Also Sachen abgestellt und rein ins kühle Nass. Und dabei liegt die Betonung auf kühl. Das Wasser war wirklich kalt. Nach 5 Minuten Gänsehautpartie gingen wir doch zurück zu den Liegen, trockneten uns ab und streiften weiter durch die Halle. Wir waren überfordert.

#3 Der Aufbau

Nun kommen wir mal zu den essenziellen Dingen und analysieren. Die Halle hat etwa 12.000 m². Sie umfasst zwei Poollandschaften: der Strand und die Lagune. Wenn wirklich 8.000 Gäste da sind, sind die Poollandschaften viel zu klein. Eine dritte Landschaft namens Amazonia gibt es auch noch. Die ist aber nur im Sommer komplett geöffnet. Wir konnten nur einen Sprudelgang und die Wildwasserrutsche nutzen. Hier war es viel zu überfüllt. Ansonsten gibt es ein Restaurant an dem an dem anderen und eine ganze Einkaufspassage. An jeder zweiten Ecke befinden sich Übernachtungsmöglichkeiten. Neben dem Eingangsbereich findet man die Saunalandschaft mit seinen sieben Bereichen. Für uns sind die sieben Bereiche ein Witz, denn sie weisen lediglich eine Sauna und eine Dusche auf. Also 7 Saunen für die Größe: definitiv zu wenig. So zieht es sich durch das ganze Konzept. Man hat viel zu viel Wert auf Restaurants, Shopping und Übernachtungsmöglichkeiten gelegt. Der Badespaß kommt dadurch viel zu kurz. Außerdem rennt man den ganzen Tag nur hin und her. Das hat leider nicht wirklich was mit Entspannung zu tun. Einzig der angelegte Regenwald ist schön gemacht und gepflegt. Wobei uns die Papageien in ihrem viel zu kleinen Käfig echt nur leid tun können.

Fazit: Der Aufbau führt zu Stress und ist für die eigentlich echt tollen Möglichkeiten aufgrund der Fläche völlig falsch geplant worden.

#4 Sauberkeit

Sauberkeit im Tropical Islands ist sehr durchwachsen. Der angelegte Regenwald, die Wege und die Restaurants sind wirklich sehr gepflegt. Einige Geländer mussten mal wieder richtig verschraubt und gestrichen werden, ansonsten aber keine großen Mängel. Wir haben im Asia Wok Haus gegessen. Gut hat uns hier gefallen, dass man hier nur bekleidet essen darf. Statt Gäste wegzuschicken werden Kimonos verteilt. Das gibt einen Pluspunkt. Auch der Saunabereich ist gepflegt. Abzüge gibt es definitiv für Amazonia. Der Bereich hat von 12 bis Uhr in der Wintersaison geöffnet. Um nach Amazonia zu kommen, muss man durch einen separaten Gang gehen. Und dieser stinkt einfach nur nach Urin. Die 150 m werden gefühlt zu 1 km. Es riecht wie in U-Bahn-Unterführungen oder auf nicht geputzten Toiletten. Warum wissen wir nicht, aber es ist einfach maximal eklig. Auf der anderen Seite des Ganges wird es nicht besser. Es gibt einen Wartebereich in dem etwa 1 cm hoch Wasser steht. Dazwischen schwimmen Haare und verteilen sich auf der ganzen Fläche. Während unseres gesamten Aufenthaltes wurde hier sicherlich nicht einmal gewischt. Und zur Wildwasser Rutsche kommt man nur über eben diesen Wartebereich, bzw. muss erst eine Treppe erklimmen, wobei man allerdings seine Flip Flops unten am Becken lassen muss. Fußpilz lässt grüßen. Auch die anderen Rutschen könnte man mal säubern, diese werden von einer dicken Staubschicht bedeckt. Mein persönlicher Horror: die Duschen. Vor dem Verlassen von Tropical Islands wollten wir natürlich noch mal kurz duschen. Hier kommen etwa 12 Duschen auf 1.000 Umkleideschränke. Ein Gedränge vor dem Herrn und im Damenbereich wirklich eine Zumutung. Auch hier stehendes Wasser, viele Haare auf dem Boden und im Bereich zum Abtrocknen tropft es von der Decke. Frisch geduscht landet so Kondenswasser auf einem. Und wo es dabei langgeflossen ist, das weiß leider keiner so recht.

Fazit: Generell ist die Sauberkeit in Ordnung. Duschen und Amazonia gehören öfter gesäubert. Und die Rutschen müssten von außen auch mal gereinigt werden. Einfach, weil Sauberkeit für uns zu den wichtigsten Dingen eines Schwimmbades gehört.

#5 Freundlichkeit

Man sagt immer, dass wir aus Hannover so unfreundlich sein. Kann sein, dann sind viele Mitarbeiter sicherlich aus Hannover. Schon am Empfang war die Einlassdame dezent unfreundlich und so zog sich das durch. In der Burgerbar wollten wir zwischendurch etwas trinken. Nach etwa 20 Minuten wurden wir einsilbig bedient. Im Spa war die Dame zwar ganz nett, schien aber mit den einzelnen Öffnungszeiten nicht vertraut. Wir wollten mittags a lá carte essen und es verschlug uns in die Spa-Landschaft, da es hier ruhiger ist. Das Restaurant öffnet allerdings erst um 18 Uhr, also fragten wir nach. Prompt wurden wir um 13 Uhr ins Asia Wok Haus geschickt. Leider öffnet das erst um 15 Uhr. Einzig einen Mitarbeiter möchten wir wirklich positiv hervorheben: Herr Wrobel. Herr Wrobel bediente uns dann später im Asia Wok Haus (wir gingen so lange rutschen bis das Restaurant öffnete). Er war wirklich sehr zuvorkommend und machte unseren Aufenthalt vor Ort wirklich noch etwas besser. Vielen Dank, Herr Wrobel! Das war wirklich super.

Fazit: Ein Lächeln kann Wunder bewirken. Das scheint leider nur vereinzelt dem Personal bewusst zu sein.

#6 Saunalandschaft

Hier möchten wir nochmal explizit drauf eingehen, da uns das Konzept hier irgendwie nicht ganz klar wird. Wie man es gewohnt ist, herrscht auch im Tropical Islands eine textilfreie Zone in der Saunalandschaft. Allerdings kommt man beim Eintreten nicht in einen separaten Raum, wo man Bikini und Badehose lassen kann. So laufen eigentlich alle Besucher in Bikini, manche Gäste (z.B. Schlafgäste) sogar in kompletter Kleidung rum. So fühlt man sich komplett ohne Kleidung ab und an auch etwas unwohl. Einige Besucher sitzen aufgrund des Zutritts so auch in Badekleidung in den Whirlpools oder in den Saunen. Komisch…. Komisch auch, dass hier kein Personal rumläuft. In so einer Zone von immensem Wert. So kam es, dass wir nackt im Whirlpool saßen und eine Frau ihren nackten Mann am Whirlpool fotografierte, uns im Hintergrund. Klar, ein No-Go von dem Ehepaar, aber so etwas muss das Personal von Tropical Islands unterbinden. Ansonsten viel zu wenig Saunen. das angepriesene Baumhaus (man stellt sich wirklich ein Baumhaus vor) ist lediglich ein Stelzenhaus. Die Whirlpools sind wirklich toll. Schade, dass es hier kein Schwimmbecken gibt. Und die Regenduschen sind der Hammer.

Fazit: Zu wenig Personal in solchen Bereichen führt zu Ärgernissen, die einem den Tag vermiesen. Man sollte nicht an der falschen Stelle sparen.

#7 Preis & Leistung

Unsere Eintrittskarte hätte pro Person 49 Euro gekostet (Baden und Sauna). Gut, dass wir sie gewonnen haben. Dazu kommt, dass wir für 4 Personen noch etwa 150 Euro für Essen und Trinken gezahlt haben, darin 20 Euro pro Person für das Asia Wok Haus. Wir finden die Preise überteuert. Ein kleiner Caipirinha von wirklich eher mittelmäßiger Qualität kostet 8,90 Euro. Das Essen war zwar nett gemacht aber für 20 Euro auch wirklich viel zu teuer. Man bekommt eine Schale mit Gemüsebrühe, Fleisch, Gemüse, Fisch und Tofu, sowie Beilagen auf einem kleinen Teller und gart sich das Essen dann selbst in der Brühe. Eine nette Idee und auch witzig. Deswegen haben wir das Geld gerne investiert. Ansonsten entstehen keine weiteren Kosten mehr, außer man macht eine Ballonfahrt oder bucht Wellnessanwendungen. Wenn man jetzt alles plus Sprit zusammenrechnet, war uns der Spaß leider viel zu teuer. Und für Familien mit Kindern reicht es fast einen Kurzurlaub ran.

Fazit: Da geben wir lieber unser Geld für andere Sachen aus. Für den Preis kann man ein ganzes Stadtwochenende machen.

#8 Was kann Tropical Islands und was kann es nicht?

Klingt alles ziemlich negativ? Ja, leider hat unser Besuch einen faden Beigeschmack. Trotzdem möchten wir noch einmal unsere Top 3 Highlights positiver und negativer Art zusammenfassen:

Negativ:

3. Sauberkeit in Amazonien
2. Freundlichkeit der Mitarbeiter
1. Fehlendes Personal im Saunabereich

Positiv:

3. Gestaltung Regenwald (EXKLUSIVE des Papageienkäfigs!!)
2. Essen im Asia Wok Haus
1. Wildwasserrutsche in Amazonien

Alles in allem war es leider ein viel stressigerer Tag, als wir uns vorgestellt hatten. Leider hatte er wenig mit Urlaub gemeinsam. Wir kommen nicht wieder, bevor sich hier einiges geändert hat.


Hinweis: Die Karten haben wir nicht gesponsort bekommen, sondern auf einem privaten Blog gewonnen. Deswegen haben wir keine Vorteile von Tropical Islands gewährt bekommen. Das Bild wurde auf St. Vincent aufgenommen und ist somit nicht aus Tropical Islands. Wir schießen in Schwimmbädern keine Fotos!

8 Gedanken zu “Tropical Islands – ein Erfahrungsbericht

  1. Thermen können sehr unterschiedlich sein. Tropical Islands kennen wir zwar nicht aus eigener Erfahrung. Dank Deiner Beschreibung werden wir es ziemlich sicher auch nie kennen lernen. Eine Therme, die wir in den letzten Jahren besucht haben und die uns gut gefallen hat, ist in Loipersdorf im Burgenland. Die Anlage ist riesig und trennt den Familienbereich vom Erwachsenenbereich und von der Ruhezone inkl. Nacktbereich. Dort findet jeder das für ihn passende Plätzchen.

  2. Ein Tropical Island Besuch ist bei mir zwar schon ewig her, hab’s aber auch schräg in Erinnerung. Die Mischung aus Spaßbad und Erholung kommt passt irgendwie einfach nicht. Für mich, ohne Kinder ist es mir deutlich zu sehr auf Familie und Co ausgerichtet, um es als Erholung oder gar Wellness zu empfinden. Und für ein reines Spaßbad ist das Konzept dann zu riesig aufgefahren und zeitgleich auch zu teuer.
    Außerdem fand ich es wie ihr auch, zu wenig gepflegt. Also für das viele Geld, was man vor Ort und mit der Fahrerei lässt, da kann man dann schon fast lieber ein Wochenende an einem europäischen Strand buchen.

    Liebe Grüße
    Nicole vom Reiseblog PASSENGER X

  3. Ich bin ja bei Thermen auch immer etwas gespalten. Auf der einen Seite kann es einem sehr viel Erholung und Mehrwert bieten, auf der anderen Seite ist es sehr enttäuschend wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden. Man fühlt sich dann nur ausgenommen und benutzt. Schade, dass es für euch nicht schöner gelaufen ist, aber gut zu wissen wo wir nicht hinfahren müssen.

    Viele Grüße
    Victoria

  4. Danke für den informativen Bericht, werde diese Therme somit von meiner To-Do Liste streichen. Bin nämlich grundsätzlich ein absoluter Thermen- und Saunafan, vor allem den Saunabereich der Therme Erding liebe ich – wobei man am besten unter der Woche kommt!
    Glg aus Ecuador
    Michaela

  5. Sehr informativer Bericht. Ich habe da ja schon viel Durchwachsenes drüber gehört. Das kommt ja vor allem im Sommer immer mal wieder im TV. Mich zieht es aber ohnehin weniger dorthin – ist so weit weg von Wien…

Kommentar verfassen