Tongariro Alpine Crossing – vorbei am Schicksalsberg

“Ich kann ihn nicht für dich tragen, aber ich kann dich tragen!”, schrie Sam und zog Frodo den steilen Hang des Schicksalsberges hinauf, um den Ring ins Feuer zu werfen. Wer kennt sie nicht, diese bedeutende Szene in “Herr der Ringe”?! Der wohl tristeste, trockenste und traurigste Ort ist Schauplatz dieser Szene: der Schicksalsberg oder in Englisch Mount Doom. Den wollen wir sehen, dachten wir, als wir die Reiseführer durchblätterten und stießen auf die wohl schönste Tageswanderung weltweit – so lasen wir es zumindest mehrfach: Tongariro Alpine Crossing. 19,4 km Strecke vorbei am Fuße des Schicksalsberges bis hin zu den Emerald Pools. Wir wollen euch von unserem Highlight in Neuseeland berichten. Was erwartet euch auf dem Weg des Tongariro Alpine Crossing? Welche Ausrüstung benötigt ihr? Wie plant man das Tongariro Alpine Crossing? Lasst euch von den tollen Aussichten verzaubern und kommt mit auf eine wahrlich tolle Wanderung – wohl eine unserer schönsten Wanderungen.

#1 Tongariro Alpine Crossing – die Strecke

Tongariro Alpine Crossing - Schild

19,4 km ist die Strecke lang – vorbei am Schicksalsberg. Die Wanderung beginnt am Mangatepopo Parkplatz und endet am Ketetahi Parkplatz. Man beginnt in einer Höhe von 1.200 m. Der höchste Punkt liegt etwa auf 1.900 m und garantiert einen schönen Panaromablick über die Vulkanlandschaft. Man kann die Strecke auch andersrum laufen, da der Endpunkt, der Ketetahi Parkplatz, aber auf etwa 800 m liegt, hat man so mehr Höhenmeter zu schaffen. Der größte Teil des Weges ist gut befestigt und gut wanderbar. Es gibt zwischendrin ein paar Kletter- und Sandpassagen für die wir auf jeden Fall gutes Schuhwerk empfehlen. Da wir im November in Neuseeland waren, trafen wir auf unserem Weg nur wenige Menschen. Laut öffentlichen Quellen benötigt man für den Weg etwa 7 Stunden. Wir haben etwa 8,5 Stunden gebraucht. Wir haben auch schon gehört, dass Leute die Strecke in 6 Stunden geschafft haben. Nehmt euch den ganzen Tag Zeit. Es ist viel zu schade, den Weg total abgehetzt zu laufen. Weitere Infos zur Strecke findet ihr übrigens hier.

#2 Gute Vorbereitung für’s Tongariro Alpine Crossing

Tongariro Alpine Crossing - mt. doom

Um einen entspannten Wandertag zu genießen, müsst ihr an einige Dinge vorab denken. Hier die unbedingten Must-Do’s vor eurer Wanderung:

1. Wetterbeobachtung:

Das Wetter kann am Schicksalsberg schnell umschlagen. Zwar sind große Teile des Wanderweges befestigt, es wird aber unbedingt davon abgeraten diesen Wanderweg bei schlechtem Wetter zu wandern. Vor allem durch die Länge der Strecke und die zu absolvierenden Höhenmeter könnte ansonsten aus der Wanderung ein Desaster werden. Deswegen empfehlen wir euch auf jeden Fall das Wetter vorab ein wenig zu beobachten. Sollte das Wetter schlecht sein, sucht euch lieber eine Alternative.

2. Shuttle buchen:

Wir haben das nicht gemacht…. und was ist passiert? Wir haben keinen Shuttle vor Ort gefunden, obwohl es angepriesen war. Alex ist somit nur die halbe Tour gelaufen, denn am Mangatepopo Parkplatz darf man maximal 4 Stunden parken. Alex hat dann das Auto wieder geholt und uns am anderen Ende des Weges wieder eingesammelt. Wo findet ihr einen Shuttle? Hier gibt es einen. Gegebenfalls bietet eure Unterkunft auch einen Shuttle an. Deswegen schaut, wie ihr ihn am besten organisiert.

3. Packliste für eure Wanderung:

Hier ein paar Dinge, die ihr auf jeden Fall einstecken solltet:

  • Kamera und Zubehör
  • ausreichend zu Trinken
  • Snacks und Energyriegel
  • Sonnencreme und Sonnenschutz
  • Windjacke
  • festes Schuhwerk

4. Fitness:

Es wird immer geschrieben, dass man für den Tongariro Alpine Crossing besonders fit sein sollte. Sind wir übrigens nicht…. und wir haben es trotzdem geschafft. Wir waren zwar hinterher gut kaputt und auch froh es geschafft zu haben. Dennoch ist unser Fazit: Wer Willenskraft hat, der schafft das auch ohne besonders sportlich zu sein.

#3 Die Streckenabschnitte des Tongariro Alpine Crossing

Das Tongariro Alpine Crossing hat so viele schöne Seiten. Wir zeigen sie euch hier anhand der Wanderoute:

Parkplatz Magatepopo zu den Soda Springs

Tongariro Alpine Crossing - Weg

Die erste Etappe des Wanderweges und die erste Berührung mit der neuen Umgebung. Für diesen Teil der Wanderung könnt ihr etwa 1,5 Stunden einplanen. Diese Etappe ist sehr gut und einfach zu laufen: man läuft auf befestigten Wegen und Holzstegen über die erkaltete Lava. Die Umgebung ist von Geröll mit wenigen Pflanzen und Gräsern geprägt. Man hat einen wunderbaren Blick auf den Schicksalsberg. Höhenmeter macht man hier nur wenig.

Soda Springs bis zum South Crater

Tongariro Alpine Crossing - Devil's Staircase

Diese Etappe ist von der Strecke eher kurz, hat es aber in sich. Deswegen sollte man hierfür etwa 1 Stunde einplanen. Hauptteil dieser Strecke ist die Devil’s Staircase. Hier kommt man ganz schön ins Schnaufen. Die Treppe schlängelt sich immer weiter empor, der Ausblick wird immer schöner. Festes Schuhwerk ist hier ein Muss, auch wenn die Treppe befestigt ist. Man läuft immer wieder über Steinpassagen und Geröll. Oben angekommen steht man im South Crater: ein riesiger, ganz flacher Krater. Zur linken der Mt. Tongariro mit 1967 m und zur rechten der Mt. Ngauruhoe (Schicksalsberg) mit 2287 m lassen einen ganz klein wirken. Nehmt euch hier ruhig einige Minuten zum Verschnaufen, das war noch nicht der anstrengenste Teil.

South Crater zum Red Crater

Tongariro Alpine Crossing - großer Krater

Ihr durchquert den wirklich flachen Krater – pure Entspannung für die Waden. Bei unserem Besuch war es hier sehr windstill und die Hitze der Sonne staute sich im Krater. Gut, dass wir den Zwiebellook gewählt hatten. Im Auge hat man dann schon seine nächste Etappe: hoch zum Red Crater, der höchste Punkt der Strecke. Hier ist festes Schuhwerk nun wirklich Pflicht! Der befestigte Weg endet und der Aufstieg ist zugleich eine kleine Kletterpartie. Doch diese offenbart einen wunderschönen Blick auf den Red Crater: ein roter Krater. Minerale des Vulkangesteins färben diesen Abschnitt der Wanderung. Diese rote “Wand” passt in die fast surreale Welt. Und man bekommt ein Gefühl, dass hier vielleicht doch nicht alles so liebevoll ist, wie man am Anfang vermutet hat.

Tongariro Alpine Crossing - Red Crater

Red Crater zu den Emeralde Lakes

Tongariro Alpine Crossing - Emeralde Lakes

Am höchsten Punkt kann man schon einen Blick auf die Emeralde Lakes erhaschen. In das satte Rot des Vulkans mischt sich ein helles Blau. Und ein Schwefelgeruch liegt in der Luft. Das erste mulmige Gefühl wird also zur Wahrheit: die Schönheit dieses Ortes bedeutet zugleich Gefahr: wir befinden uns in einem aktiven Vulkangebiet. Wir genossen einige Minuten die tolle Aussicht. Auch wenn der Weg kurz scheint und es diesmal bergab geht, gilt hier besondere Vorsicht. Der Weg ist nun aus Vulkansand und Asche. Mit kleinen Rutschpartien braucht man etwa 20 Minuten zu den Seen. Für uns übrigens das absolute Highlight dieser Wanderung. Auf einem Stein nahmen wir am Ufer platz, befreiten die Schuhe vom Sandinhalt und picknickten. Hier waren nur noch sehr wenige Menschen unterwegs.

Tongariro Alpine Crossing - Emerelade Lakes 2

Emeralde Lakes bis zum Blue Lake

Tongariro Alpine Crossing - Blue Lake

Weit ist es nicht, zeitlich vielleicht eine Viertelstunde und man steht am Blue Lake: ein riesiger See. Die Emeralde Lakes mit ihrer hellblauen bis türkisen Farbe waren dagegen doch recht klein. Am liebsten wären wir in das kühle Nass gesprugen aber erstens hatten wir keine Badesachen dabei und wussten zweitens auch nicht, ob ein Bad hier wirklich geundheitsfördernd wäre. Wenn man am Blue Lake steht, hat man übrigens den beschwerlichsten Teil geschafft. Man hat zwar noch einige Kilometer vor sich, aber hier geht es stehts bergab.

Blue Lake bis zum Ketetahi Parkplatz

Tongariro Alpine Crossing - Blick zum Ende

Der Weg wird wieder befestigter mit jedem Schritt den man geht und auf einmal öffnet sich vor einem das Tal mit Blick auf den Lake Rotoaira. Wir konnten schon erahnen, wo Alex etwa mit dem Auto stehen würde. Die Dusche erwartet uns. Angespornt von diesem Gedanken gehen wir den letzten Abschnitt des Wanderweges. Obacht: man braucht hier sicherlich nochmal 2,5 Stunden. Der Weg schlängelt sich am Berg in Serpentinen herab. Witzig ist dabei das Umfeld zu beobachten. So startet man am höchsten Punkt mit Gestein und ohne jegliche Pflanzen. Je weiter man hinab geht, desto mehr gedeiht die Vegetation. Aus kleinen Büschen wird mannshohes Gestrüpp und irgendwann steht man im Regenwald. Nach etwa 8,5 Stunden erreichten wir unser Auto: kaputt und müde, aber umso glücklicher diese Wanderung gemacht zu haben.

Tongariro Alpine Crossing - Urwald

#4 Übernachtungsmöglichkeiten in der Nähe des Tongariro Alpine Crossing

Tongariro Alpine Crossing - Weg 5

Wer den Tongariro Alpine Crossing wandern möchte, sollte dafür – wie bereits erwähnt – einen ganzen Tag einplanen. Deswegen ist es auf jeden Fall sinnvoll in der Nähe zu übernachten. Wir waren mit dem Camper unterwegs und haben uns selbst einen Platz zum Wildcampen gesucht. Achtung: Am Lake Rotoaira darf man nicht wildcampen. Wir haben uns ein Plätzchen in einem nahegelegenen Wald gesucht.

Tongariro Alpine Crossing - Ausblick

Natürlich gibt es auch einige Campingplätze in der Nähe des Tongariro Alpine Crossing. Der Tongariro Holiday Park liegt ganz in der Nähe. Die Bewertungen sind eher durchwachsen. Bessere Bewertungen und näher zum Wanderweg liegt der Whakapapa Holiday Park. Ein Powered Site kostet hier ab $23,00 NZD. Hier gibt es einen Shuttlebus, der euch zum Anfang der Wanderung fährt und später auch wieder abholt. Hin- und RÜckfahrt kosten allerdings $35,00 NZD.

Tongariro Alpine Crossing - Weg 3

Wer mit dem Mietwagen unterwegs ist, der findet auch Hotels rund um den Schicksalsberg. Ganz in der Nähe liegt beispielsweise das Skotel Alpine Resort. Der Preis ist aus unserer Sicht eher günstig. Und das tollste: in dem Preis ist ein Shuttle zum und vom Tongariro Cross inkludiert. Ihr braucht euch also nicht um den Shuttle vom Ende zum Anfang kümmern und könnt so ganz entspannt in den Tag starten. Etwas preiswerter, dafür überzeugend in den Bildern, ist das Chateau Tongariro Hotel. Hier kann man scheinbar auch mal nebenbei richtig die Seele baumeln lassen. Und ganz ehrlich – nach unserem Tongariro Alpine Crossing hätten wir gerne eine Massage und einen Pool gehabt. Welches Hotel, B&B oder Hostel für euch das richtige ist, müsst ihr natürlich selbst entscheiden.

#5 Unser Fazit zum Tongariro Alpine Crossing

Tongariro Alpine Crossing - Blick Schicksalsberg

Was sollen wir sagen: es ist ein wirklich toller Wanderweg. Ob es der schönste ist, da möchten wir uns nicht festlegen, da wir die Wanderung auf den Ryten auf den Lofoten (Norwegen) auch einzigartig fanden. Aber muss es denn immer das schönste sein? Unsere Empfehlung: Wenn es das Wetter zulässt, ihr gerne wandert und gerade in der Nähe seid – es lohnt sich auf jeden Fall.Vor allem die Natur fasziniert uns immer und immer wieder. Und wer weiß, vielleicht laufen wir ihn nochmal, wenn wir wieder da sind.

Wenn ihr noch mehr Bilder aus Neuseeland anschauen wollt, klickt hier.

10 Gedanken zu “Tongariro Alpine Crossing – vorbei am Schicksalsberg

    1. Hallo Manuela,

      wir sind Anfang November nach Neuseeland geflogen. Noch Nebensaison also. Den Tongariro Alpine Crossing haben wir dann Mitte November gemacht. Wir hatten es uns auch voller vorgestellt, aber unser Plan der Nebensaison ist also aufgegangen 🙂 Generell schauen wir immer, dass wir irgendwo sind, wenn nicht gerade Hauptsaison ist. Dann hat man doch ein bisschen mehr Ruhe.

      Liebe Grüße aus dem verschneiten Hannover
      Lisa & Alex

          1. Das wäre auf jeden Fall unser Wunsch 🙂 Leider haben wir nur 3 Wochen – deswegen muss ich mir dann schon gut Gedanken zu der Planung machen.

            Das werde ich auf jeden Fall machen!

            LG

          2. Wir waren ingesamt vier Wochen unterwegs. Durch die Flüge hatten wir vor Ort etwa 3,5 Wochen. Unserer Meinung leider viel zu wenig Zeit. Deswegen hier ein kleiner Tipp am Rande: Entscheidet euch für eine der beiden Insel und macht die andere noch einmal zu einem anderen Zeitpunkt (uns hat die Südinsel ein klein wenig besser gefallen)…. Die Fahrtzeiten haben wir leider komplett unterschätzt.

            Trotzdem habt ihr euch für ein wundervolles Reiseziel entschieden. Wir werden auf jeden Fall irgendwann nochmal hinfliegen!

          3. Glückspilze 😉
            Jaa, es fällt mir nur sehr schwer. Habe schon öfter von der Südinsel gelesen – aber die Nordinsel hat halt schon auch ziemlich nette Highlights!

  1. Hallo Lisa,

    ob die Wanderung die schönste der Welt ist, wage ich zu bezweifeln. Aber solche Superlative sind ja immer mit Vorsicht zu genießen. Interessant ist sie auf jeden Fall. Deine Beschreibung finde ich sehr hilfreich und hilft zu entscheiden, ob man die Wanderung machen möchte.

    Viele Grüße,
    Monika

  2. Den Schicksalsberg möchte ich auch auf jeden Fall sehen, als eingefleichrter “Herr der Ringe” Fan. Wenn man so die Landschaft sieht, wird man sofort an den Film erinnert. Schade, dass Alex zurücklaufen musste. Wichtige und gute Tipps habt ihr aufgeschrieben.
    Liebe Grüße, Selda.

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