Kvalvika Strand: Karibikstrände in Norwegen

Die ersten Blicke auf den Kvalvika Strand konnten wir schon während unserer Wanderung auf den Ryten erhaschen. Die Wanderung findet ihr übrigens hier. Nun wollten wir aber auch runter ans Wasser. Klar, man kann den Ryten gut mit den Stränden verbinden. Wir haben uns aber für beide Wanderungen lieber je einen ganzen Tag Zeit genommen. Naja – bei Kvalvika eher zwei Tage, denn beim ersten Versuch liefen wir an einer Kreuzung falsch und landeten im Wald. Um zurück auf den Wag zu kommen, dachten wir, dass es am einfachsten sei, sich durch die Bäume zu schlagen, doch leider versank Lisa bis zum Knie in Moos und Schlamm und so mussten wir wieder zurück. Das zweite Mal sollte es jedoch klappen. Deswegen zeigen wir euch nun die Karibiksstrände in Norwegen. Weißer Pudersand, türkises Meer, da fehlen nur noch die Palmen und ein paar Grad mehr. Und so zeigt sich wieder wie unfassbar vielseitig die Natur in Norwegen ist.


#1 Streckenbedingungen

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Ausgangspunkt ist ein kleiner Parkplatz am Torsfjorden. Um hierher zu gelangen fahrt ihr bis nach Fredvang und fahrt dann am Torsfjorden etwa 3 km auf der 986. Dort ist auf der linken Seite eine kleine Parkbucht. Ein kleines Schild mit der Aufschrift “Kvalvika Beach” zeigt euch den Beginn der Wanderroute. Der Endpunkt dieser Wanderung befindet sich in Marka. Es bietet sich also an, Fahrräder in Marka zu parken. Ansonsten kann man auch zügig von Marka zum Parkplatz laufen, die Strecke ist sehr eben und die Länge sind etwa 4 km. Vom Ausgangspunkt bis Marka sind es etwa 7 km Wanderstrecke. Insgesamt steigt man etwa 360 Höhenmeter. Der höchste Punkt ist auf dem Skoren mit 175 m. Festes Schuhwerk ist unabkömmlich. Teile der Strecke sind echte Kletterpartien, deswegen sollte man auf jeden Fall trittsicher sein. Wir haben für die gesamte Wanderung mit diversen Fotostopps etwa 8 Stunden gebraucht – sprich einen Tag füllt man mit der Wanderung sehr gut.


#2 Aufstieg auf den Skoren

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Nun geht es los. Der Weg beginnt am Schild. Der erste Abschnitt ist etwas zum Klettern. Ihr schlagt euch auf einem Trampelpfad durch die Büsche. Im Rücken hat man den Torsfjorden, der spiegelglatt das Panorama rahmt. Vor uns taucht der Skoren auf. Dies ist der Name für den Sattel, den wir heute übersteigen. Es wird die höchste Stelle auf unserer Reise mit 175 m. Der Pfad teilt sich in mehrere kleine Wege auf. Wir wählten den mit wenig Matsch. Vor uns wurde Geröll sichtbar. Man hatte wieder das Gefühl, dass man sich auf dem Weg durch Mittelerde befindet. Zu unserer rechten lag der Einangsvatnet, den wir auf unserer Rytenwanderung besiegten. Von unten sah es noch höher aus. Auf dem Skoren angekommen, legten wir eine kleine Pause ein. Das Rauschen des Meeres konnten wir schon hören. Außerdem hatten wir den perfekten Blick auf den Ryten, der massiv vor uns empor ragte.

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#3 Abstieg zum Kvalvika Strand: Nordvika

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Was wir gerade erklommen hatten, dass mussten wir nun wieder herunterkraxeln. Vor uns konnten wir schon Teile des weißen Sandstrandes sehen, doch bevor wir hier uns mit der Kamera austoben konnten, mussten wir über eine Gerölllawine klettern. Die riesigen Steine scheinen als lägen sich schon immer dort, aber Vorsicht: manche Steine sind sehr rutschig oder wackelig. Was so einfach von oben aussah, erwies sich dann doch als eine sehr lange Kletterpartie. Wir mühten uns von Stein zu Stein und kamen nur langsam voran. Das Hermelin, das unseren Weg kreuzte, war da ganz anders unterwegs. Es hüpfte von Stein zu Stein und beobachtete uns. Es schien als lachte es uns aus. Bevor wir die Kamera zücken konnten, war es auch schon wieder verschwunden. Das Rauschen des Meeres wurde immer lauter und die Steine wurden weniger. Dafür lag vor uns eine grüne Wiese. Der Weg zum Strand war nun ein einfaches. Rechter Hand findet ihr einen kleinen Wasserfall, der sich am Hang des Ryten herunterschlängelt. Es gibt eine Bank am Rand des Strandes, wo man Rasten kann. Wir wollten nicht Rasten. Viel zu beeindruckt waren wir von dem kristallklaren türkisen Wasser, was sich in schäumenden Wellen am weißen Sandstrand brach umrahmt von den moosgrünen rauen Felsen.

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#4 Kletterpassagen zum zweiten Kvalvika Strand: Vestervika

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Bestimmt eine Stunde verbrachten wir am Nordvika. Obwohl es eigentlich nicht so viel zu sehen gibt, gibt es doch umso mehr zu sehen. Immer wieder starrten wir auf das Wasser, dass jede Sekunde seine Form änderte. Wir liefen den Strand hoch und runter. Das einzige, was uns störte, waren die menschlichen Hinterlassenschaften von Grillpartys. Schade… Nun wollten wir auf die andere Seite nach Vestervika. Tipp: Wenn Ebbe ist, kann man auch am Strand entlang laufen. Wir waren jedoch zur Flut da. So mussten wir den Felsvorsprung Kuhella überwinden. Was sollen wir dazu sagen? Hier ist Klettererfahrung von Vorteil. Kleine Kinder sind hier leider fehl am Platz. Der Fels ragt zwischen den beiden Stränden empor. Nun muss man sich hangelnd an Stahlketten über den Fels bewegen. Eine Schlaufenleiter wird dabei zum besten Freund, damit man wieder an Höhe gewinnt. Die Felsen sind sehr rutschig, denn von unten prescht das Wasser gegen den Stein. Mit viel Schweiß überwanden wir den Felsen und waren froh unversehrt auf der anderen Seite anzukommen. Damit hatten wir nicht gerechnet und wir sind auch nicht die erfahrensten Wanderer. Doch auch diese Kraxelpartie hatte sich gelohnt. Der weiße Puderzuckersand und das türkise Meer raubte uns erneut den Atem.

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#5 Aufstieg zum Ågotvatnet

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Nach einer ausgiebigen Besichtigung des Vestervika, einer kleinen Rast und einem heißen Becher Tee ging unsere Wanderung weiter. Der Aufstieg auf den Ågotvatnet lag vor uns. Hier haben sich unsere Wanderschuhe wieder absolut bezahlt gemacht. Nach einem steilen Anstieg wir der Weg zusehends matschiger. Man kraxelt von Stein zu Matsch zu Stein immer weiter den Berg hinauf. Dann wird der Weg wieder ebener und man sieht schon den See Ågotvatnet vor sich. Spiegelglatt liegt er zwischen den Moltinden und dem Kitinden, die Berge, die hier unseren Weg säumen. Am Ågotvatnet vorbei geht es auf dem Weg weiter. Schaut auch hier, welcher Weg euch am besten gefällt, es gibt immer mehrere kleine Pfade. Man orientiert sich an den roten Punkten, die auf die Steine gesprüht wurden. Nach einigen Metern kommt man an eine kleine Schäferhütte, die in ihrem Hüttenbuch einige Informationen über eine einstige hier sich befindende Siedlung preisgibt.

#6 Umrundung des Markvatnet

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Von der Schäferhütte ist es nicht mehr weit bis zum Trinkwassersee namens Markvatnet. Auch dieser See ist spiegelglatt aber um einiges größer als der Ågotvatnet. Der Weg führt am Ostufer des Sees vorbei. Ein dichter Birkenwald steht auf der anderen Seite des Weges. Man kann am Ende des Waldes auch einen kleinen Weg in den Wald hinein gehen. Geht den Weg dann wieder zurück und schlagt euch nicht durch den Wald. Hier verschwand Lisas Bein im Moos. Der Wald wirkt wie ein kleiner Zauberwald. Nun sind wir auch fast am Ziel nach Marka. Man muss lediglich eine Morastfläche überqueren. Dabei helfen Holzlatten, die behelfsmäßig auf den Matsch gelegt wurden und so als Steg genutzt werden können. Aber nicht zu selbstsicher: Manche versinken im Matsch.

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#7 Der Weg zurück vorbei am Torsfjorden

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4 km liegen vor uns. Der Weg ist wirklich gut zu laufen, da man erst über einen Schotterweg und dann über asphaltierte Straße läuft. So wanderten wir entlang des Ufers vom Torsfjorden. Wir waren schon sehr müde von der langen Wanderung und freuten uns nur noch auf das Auto und eine heiße Dusche. Alex hatte nasse Füße, da er unweigerlich am Strand von einer Welle überspült wurde. So hatten wir nur wenig Blick auf den Torsfjorden. Trotzdem waren wir sehr froh, dass wir die Wanderung gemacht haben. Es war eine der schönsten Wanderungen, die wir auf den Lofoten unternommen haben. Es war auch die, die uns am meisten herausforderte. Die, die uns am meisten Angst machte. Die, die uns am meisten Zeit kostete. Und die, an die wir uns gerne zurück erinnern.

 

Mehr über die Lofoten findet ihr hier.

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14 comments Add yours
  1. Wie man es von euch gewohnt ist: wundervolle Fotos und ein Bericht, bei dem man denkt, man wäre mittendrin. Ich bin riesiger Fan von euren Artikeln und eurem ganzen Blog sowieso 🙂

  2. Solche Wanderungen habe ich bis vor einigen Jahren in der alaskanischen und kanadischen Tundra unternommen. Leider schaffe ich solche Auf- und Abstiege auf unwegsamen Gelände heute nicht mehr. Aber Deine Berichte wecken wunderbare Erinnerungen 😀 Gibt es eigentlich auch Flachlandwanderungen in Norwegen?

    1. Liebe Monika,

      Wir haben auch Flachlandwanderungen unternommen, die auch wunderschön waren. Man verzichtet dann natprlich auf den weiten Blick über das Land, aber die Berge rahmen die Landschaft auch von unten wundervoll ein.

  3. Da habt ihr wieder super schöne Orte entdeckt und eure Bilder vermitteln immer das Gefühl eines einsamen naturgewalltigen Abenteuers.

    Schade, dass manche Leute selbst solche Orte respektlos behandeln und ihren Müll hinterlassen.

    Liebe Grüße
    Nicole

  4. Liebe Lisa,
    Eure Bilder verzaubern wirklich komplett. Verrat mir bitte mal, mit welchen Temperaturen muss ich auf einer solchen Reise rechnen? Ich kann es mir überhaupt nicht vorstellen.
    Zumal, du sprichst von Karibikstränden 🙂 war der Bikini dabei?

    Liebe Grüße
    Katja

    1. Liebe Katja,

      Karibikstrände von der Optik. Wir hatten im Oktober tagsüber zwischen 10 und 15 Grad. Also doch etwas zu kalt für den Bikini. Die perfekte Temperatur zum wandern allerdings. Im Sommer soll es wohl perfekt zum Baden sein.

  5. Die Überschrift hat mich auf jeden Fall mal neugierig gemacht. Dass es keine tropischen Temperaturen zu erwarten gab, war mir ja schon klar beim Stichwort #Norwegen.
    Zum schwimmen würdest da wohl nicht gereicht haben, aber immerhin habt ihr eure Füße mal ins Wasser gehalten 😉

    Es sieht auf den wunderschönen Fotos aus, als wäre niemand anderes da gewesen. Das findet man bei paradiesischen Orten ja nicht oft. Hört sich nah einem echten Erlebnis und Abenteuer an, worauf ich auch mal große Lust hätte.

    Liebe Grüße
    Daniela

  6. Ich will nach Norwegen! Jetzt! Eure Berichte sind so schön fesselnd geschrieben und eure Fotos hauen mich jedes mal vom Hocker. Ihr macht mir so Lust, dieses Land zu bereisen. Die Natur ist wirklich atemberaubend schön.

  7. Es ist immer wieder toll, wenn man Orte entdeckt, die fast unentdeckt scheinen. Das ist mir auch schon oft relativ unbewusst passiert. Das ist doch ein tolles Gefühl, oder? Generell haben die “unbeschwommenen” Stände einen ganz eigenen Charme.

    Liebe Grüße
    Jessica

  8. Der Bericht und die Bilder faszinieren mich sehr und wecken Erinnerungen an Neuseeland. Ich liebe solche Landschaften und dann machen mir auch die mäßigen Temperaturen nicht mehr viel aus. Das ist auf jeden Fall eine tolle Wanderung die ich auch gerne einmal unternehmen würde.

    Viele Grüße

    Victoria

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