Polarlichter fotografieren: Unsere Tipps

Die Natur zieht uns immer wieder in ihren Bann. Dabei hat uns eins ganz besonders von den Füßen gehauen: die Polarlichter. Als wir sie das erste Mal sahen, standen wir einfach mit offenen Mündern vor unserem kleinen Ferienhaus auf den Lofoten – solange bis wir Nackenstarre hatten. Die Ruhe mit dem leisen Knistern und die grünen Schwaden, die am Himmeln entlangstreiften, sie faszinierten uns einfach und machten uns regungslos. Nach dem ersten “Schock” liefen wir los die Kamera holen, um diesen Wahnsinn einzufangen. Dabei haben wir echt tolle Aufnahmen hinbekommen. Unsere Tipps und Tricks, wie man Polarlichter fotografieren kann, möchten wir heute an euch weitergeben.

#1 Wie entstehen Polarlichter?

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Mitten in der Nacht zieht das grüne Licht auf – das Polarlicht. Und was ist der Ursprung dieser nächtlichen Gebilde? Auch wenn man es gar nicht glauben mag, es ist die Sonne. Durch die Sonne entstehen sogenannte Sonnenwinde, die hauptsächlich aus Protonen und Elektronen entstehen. So ein Sonnenwind benötigt von der Sonne bis hin zur Erde etwa drei Tage und hat normalerweise Geschwindigkeiten zwischen 300 und 700 km/s. Trifft dieser Sonnenwind auf die Erde, so wird dieser durch die magentische Anziehungskraft der Erde um die Erde herumgelenkt. Dringt der Sonnenwind nun in die Atmosphäre der Erde ein, entstehen riesige Magnetfelder in denen sich die Energie der geladenen Teilchen entlädt – für uns die sichtbaren Polarlichter. Ihre Farbe ist meist grün, blau und violett.

#2 Wo kann man Polarlichter sehen?

Wenn man ganz genau ist, kann man die Polarlichter auch hier in Deutschland sehen. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit relativ gering. Wie es der Name schon sagt, kommen die Polarlichter hauptsächlich in den Polarregionen vor – am Nordpol genauso wie am Südpol. Wir haben die Polarlichter in Norwegen gesehen. Hier hat man gute Chancen von Oktober bis März. Im Winter sind auch Finnland, Island, Kanada, Grönlad und Sibirien gut geeignet, um Polarlichter einzufangen. Je näher man sich am Polarkreis oder oberhalb von diesem befindet, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit auf Sichtung. So verhält es sich natürlich auch mit der Südhalbkugel, wobei es da nicht wirklich viel Landmasse gibt. Mit Glück kann man in Neuseeland Polarlichter einfangen.

#3 Wie findet man Polarlichter?

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Ihr seid nun in einem Land mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Polarlichter? Ihr möchtet sie auf jeden Fall sehen und optimalerweise auch Polarlichter fotografieren? Dann braucht ihr zwei Dinge:

1.Glück – es kann nämlich sein, dass ihr vor dem Berg steht und wartet, die Polarlichter aber gerade hinter dem Berg sind

und

2. die App “Aurora forecast”. Diese gibt es sowohl für iOS als auch für Android. Hier könnt ihr sehen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit in der Nacht für Polarlichter sind. Wir haben schon tagsüber immer gecheckt, wie sich der KP-Index entwickelt: je höher, desto wahrscheinlich treten die Polarlichter auf und desto wahrscheinlicher könnt ihr Polarlichter fotografieren.

#4 Wie bereitet man sich am besten auf Polarlichter fotografieren vor?

Wir haben täglich Wetter- und Polarlichtapp gecheckt. War der Himmel klar, so wussten wir genau was zu tun war. Schon vor dem Abendessen legten wir folgende Dinge bereit:

– unseren Fotorucksack inkl. Stativ
– zwei Thermoskannen Tee
– Mütze, Schal und Handschuhe
– Taschenlampe
– Kissen und Decke ins Auto
– Wanderschuhe
– was zum Lesen oder Zeitvertreib

Es muss schon vorher alles bereit liegen, denn gegebenenfalls müsst ihr schnell sein. Wir haben uns vorab Gedanken gemacht, wo wir uns auf die Pirsch für Polarlichter legen. Lieber ein bisschen früher da sein und warten, als zu spät.

#5 Unsere Erfahrungen beim Polarlichter fotografieren

Es war in Norwegen auch für uns das erste Mal, dass wir “Lady Aurora” bei ihrem Tanz beobachten und fotografieren konnten, aber dennoch haben wir hierbei einige Erfahrungen gesammelt, die wir gern an euch weitergeben würden:

– Tipp 1: Zeit ist Geld (oder Foto)
Wichtig ist vor allem anderen, dass ihr schnell seid. Wenn ihr also erst losfahrt oder -geht, wenn ihr die Polarlichter am Himmel tanzen seht, kann es bereits zu spät sein. Die Aurora kann sich sehr schnell wieder auflösen, das ganze Spektakel kann innerhalb von Minuten wieder vorbei sein…deshalb…lieber vorher bereits einen schönen Spot zum fotografieren aussuchen und nach dem Abendessen gleich hinfahren um dort ggf. auf die Lichter zu warten. Dann könnt ihr auch in Ruhe die Einstellungen vornehmen, die ihr braucht oder wollt und euch eine passende Bildkomposition suchen. Solltet ihr jetzt mal zu spät dran sein, und die Aurora tanzt bereits am Himmel….fahrt trotzdem los! Meist kann man das Spektakel mehrfach in der Nacht beobachten.

– Tipp 2 : Die Nacht kann lang werden
Damit wären wir beim zweiten Tipp. Wenn sich die Aurora auflöst, dann bleibt auf jeden Fall vor Ort! Es kann durchaus sein, dass sie in einer halben Stunde, oder einer Stunde auf einmal wieder auftaucht. Ihr könnt euch natürlich auch einen anderen Standort suchen und dort nochmal euer Glück versuchen. Oder ihr setzt euch eine Weile ins Auto und wartet dort bei einem warmen Tee oder Kaffee bis die Lady zurückkehrt, denn das tut sie meistens (zumindest war es bei unseren Aurora Jagden so). Ihr werdet euch in jedem Fall die Nacht um die Ohren schlagen, denn wenn ihr einmal angefangen habt wollt ihr nicht wieder weg, das verspreche ich euch!

– Tipp 3 : Die Kamera Einstellungen
Das was sicherlich die meisten interessiert sind die Kamera Einstellungen. Hierzu muss man allerdings sagen, dass es nicht DIE Einstellung gibt, sprich es gibt keine Universal-Einstellung, damit jedes Bild perfekt wird. Die Einstellungen müsst ihr an eure jeweilige Lichtsituation und die Intensität der Polarlichter anpassen. Die meisten unserer Bilder haben wir allerdings mit folgenden Einstellungen gemacht: ISO Werte zwischen 400 und 3200 max (meist 800), Offenblende (der kleinste Wert, in meinem Fall F3.5), Belichtungszeiten zwischen  8 und 15 Sekunden. Desweiteren empfehle ich euch beim Fotografieren auf dem Stativ den Verwacklungsschutz eurer Kamera auszuschalten, da ihr ihn durch das Stativ nicht benötigt und er bereits zu leichten Vibrationen und damit zur Unschärfe führen kann.

– Tipp 4 : Vordergrund macht Bild gesund
Sucht euch interessante Sachen für eure Bildgestaltung. Das können verschiedene Dinge sein, wie z.B. Steine (am Strand), oder einen kleinen Bach oder oder oder. Ihr seid zwar hauptsächlich wegen des Spektakels am Himmel dort, aber Fotos auf denen nur der Himmel zu sehen ist, wirken dann doch schnell langweilig weil sie ja auch irgendwie alle gleich aussehen. Deshalb nehmt ruhig ein wenig Landschaft mit ins Bild, denn dadurch wird es gleich viel spannender.

– Tipp 5 : Nutzt den Mond
Man sagt ja immer, den nächtlichen Himmel fotografiert man am besten ohne Mond. Wenn ihr auf die Milchstraße bzw. die Sterne abzielt, stimmt das auch in aller Regel. Allerdings wollt ihr ja in dem Fall nicht die Sterne fotografieren, sondern die Aurora. Und hier kann euch der Mond eine große Hilfe sein, denn er leuchtet für euch die Umgebung aus. Durch den Mond könnt ihr die Belichtungszeiten relativ kurz halten und könnt auf dem späteren Foto trotzdem noch die Landschaft gut erkennen, weil er in dem Fall eure “Taschenlampe” ist.

Ansonsten gilt: habt einfach Spaß und experimentiert ruhig ein wenig herum. Ärgert euch nicht zu sehr, falls es beim ersten Mal nicht so klappt…ihr werdet mit Sicherheit noch eine weitere Chance erhalten, und dann wisst ihr es besser.

#6 Nachbearbeitung der Bilder

Wir bearbeiten unsere Bilder generell immer mit Adobe Lightroom und Adobe Photoshop nach, damit die Farben und Lichter besser transportiert werden. In einem unserer nächsten Beiträge geben wir euch eine kleine Beispielanleitung, wie wir mit unseren Polarlichtfotos vorgegangen sind. Ob man bearbeiten möchte, hängt natürlich immer vom eigenen Geschmack ab.

Fazit

Uttakleiv Panorama

 

Polarlichter sind wohl mit das schönste Naturwunder dieser Welt und deswegen sind wir süchtig: Wir wollen immer mehr Polarlichter fotografieren. Mal schauen, wann wir das nächste Mal die Chance haben. Vielleicht fliegen wir 2019 über Weihnachten nach Island – und dann heißt es wieder: raus in die Natur und auf in die Jagd nach den tanzenden Lichtern.

Mehr zu unserer Norwegenreise findest du übrigens hier.

8 Gedanken zu “Polarlichter fotografieren: Unsere Tipps

  1. Ich kann sehr gut verstehen, dass Euch die Nordlichter faszinieren. Ich habe sie bisher zweimal gesehen: einmal in Alberta in Kanada und einmal vom Flugzeug aus über Grönland. So eine Reise zum Beobachten der Polarlichter würde uns auch sehr gut gefallen.

  2. Da ich mich für Reisefotografie begeisterte, träume ich davon, die Polarlichter einzufangen. Hierzu gibt es hier sehr wertvolle Tipps, weshalb ich mir den Link des Artikels gleich gespeichert habe. Besonders interessant fand ich zu lesen, wie die Polarlichter eigentlich entstehen. Liebe Grüße, Ricarda

  3. Ich hatte diesen Herbst in Island das Glück Polarlichter zu sehen und kann eure Faszination daher sehr gut nachvollziehen! Erfreulicherweise ist es mir auch gelungen, die Polarlichter zu fotografieren 🙂 Ganz zufrieden bin ich mit den Ergebnissen zwar nicht, es wird aber hoffentlich irgendwann mal wieder soweit sein, dass ich welche sehe! Für die Gelegenheit speicher ich mir mal gleich die tollen Tipps.

  4. Was für ein spannender Bericht. Ich muss zugeben, dass ich zuvor nicht einmal genau gewusst hatte, wie die Polarlichter entstehen. Und die Bilder sind einfach mega!!! Also die Polarlichter stehen eindeutig noch auf meiner To-Do Liste!

    Liebe Grüße,
    Michaela

  5. Polarlichte gehören wirklich zu den faszinierendsten Naturerscheinungen überhaupt. Auch ich würde diese gerne einmal in echt sehen. Das fotografieren überlasse ich dann meinem Mann, ich genieße immer lieber. 😉

    Viele Grüße

    Victoria

  6. Den tollen Artikel hätte ich ein bisschen eher lesen müssen, als ich bei fast 40 Grad minus am Polarkreis stand 😉
    Aber auch anschauen war ein grandioses Spektakel

    Liebe Grüße
    Katja

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